Kirchenchor Leeden

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Montag, 01. November 2004

Kirchenchor Leeden

Kraftvolles Wort Ursprung des Glaubens

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Leeden

Zum Abschluss seines 70jährigen Jubiläums gestaltete der Kirchenchor am 30. Oktober musikalisch den Reformations-Gottesdienst in der Stiftskirche. Mit besonderer Mühe des Chorleiters Patrick Pagendarm war das Kyrie 1 aus der  Missa Breve Nr. 7 aux chapelles (um 1890) von Charles Gounod (1818-1893) eingeübt worden. Der durch sein erfolgreiches Hauptwerk, die Oper „Margarethe“ (Originaltitel: „Faust“) 1859 anerkannte französische Komponist, Vertreter der französischen „Opera lyrique“, wandte sich - tief religiös - im Alter der Kirchenmusik zu. Doch wegen des sehr lyrischen Stils gerieten diese Kompositionen schnell in Vergessenheit. Patrick Pagendarm mit dem Kirchenchor gelang es, dem Kyrie in ergreifender Weise den einem Gottesdienst dienlichen Ausdruck zu geben. Thematisches Kernstück war das „Ein feste Burg ist unser Gott“ im Satz von Johann Crüger (1598-1662), eine Verschmelzung von Cantionalsatz und Choralkonzert. In einem wahrhaft ökumenischen Geiste hatte der (katholische) Chorleiter mit dem Kirchenchor  eine lebendige, wort- und zeitgemäße Interpretation des Chorals eingeübt. Die biblische Jahreslosung „Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen“ (Markus 13, 31) wurde in einer Vertonung und textlichen Auslegung von Johannes Matthias Roth gesungen. Zum Abschluss erklang ein schwedisches Abendlied im Satz von Christof Falkenroth - eine Bitte um Recht, Freiheit und Frieden.

Dem Gottesdienst gab die Sopranistin Sigrid Heidemann mit ihren eindringlichen Gesangsvorträgen ein ganz besonderes Gepräge. Einfühlsam begleitet von Chorleiter Patrick Pagendarm im basso continuo, gelang es ihr, mit ihrer wohltemperierten lyrischen Stimme nicht nur das Stück „Meine Seele hört im Sehen“ aus Händels 9 Deutschen Arien, sondern auch ein Gesangstück aus Anton Dvoraks schlichten, asketisch klingenden Zehn biblischen Liedern - ohne vordergründige Rhetorik Zeugnisse stiller Frömmigkeit - gefühlsmäßig zu vermitteln. Constanze Müller, Violine, zeigte ihre Fertigkeiten in einer Händel-Sonate und einem Lied von Edgar Elgar.

In seiner Predigt wies Pastor Gaiser darauf hin, dass die vom Chor gesungene Jahreslosung Markus 13,31 den Kerngedanken der Reformation ausdrückt: Erneuerung durch die Umkehr zur Quelle, dem kraftvollen Wort als dem Ursprung christlichen Glaubens. Diese Erneuerung, so Gaiser weiter, sei ständige Aufgabe einer Kirche mit Zukunft, mit der kritischen Frage begleitet, ob ihre Strukturen  die Vermittlung des Evangeliums fördern oder hindern. Die Kirche müsse für ihre Zukunft ein vom Wort geprägtes, erkennbares Profil bewahren und darum ringen: „Erhalt uns, Herr,  bei deinem Wort!“

Nach dem Gottesdienst versammelte sich der Kirchenchor mit eingeladenen Gästen, darunter die ehemaligen Chorleiter Egon Koch, Peter Leimbach und Aloysius Pinn, im Stiftshof. Mit fantasievoll dargestellten Reminiszenzen vor dem  Hintergrund des jeweiligen Zeitgeschehens wurde Vergessenes wieder lebendig, und Anekdoten aus dem Chorleben zeigten, dass nicht nur Musik, sondern auch gemeindliches Miteinander verbindet. Peter Leimbach, Hagen Walkenhorst und Manfred Wiesner brachten die bereits beim 50jährigen Jubiläum inszenierte „Fröhliche Gerichtsverhandlung“ zu einer glänzenden Neuaufführung. „Siebzig Jahre Kirchenchor Leeden“ sind in einer Festschrift dokumentiert, erhältlich bei der 1. Vorsitzenden Reinhilde Gaiser.